Vor ein paar Monaten konnte ich günstig ein Exemplar des 1976 erschienenen
Box-Sets „Boxed“ von Mike Oldfield erwerben.
Diese Zusammenstellung enthielt die bis dahin veröffentlichten Alben „Tubular Bells“, „Hergest Ridge“ und „Ommadawn“ sowie eine „Collaborations“ betitelte Sammlung von Arbeiten Oldfields mit anderen Künstlern. Das Besondere an diesen Aufnahmen war allerdings, dass alle vier Alben in der – Mitte der 70er Jahre beliebten – Quadrophonie-Tontechnik (SQ Quad) abgemischt wurden. 

Diese Technik war zwar kompatibel zu den üblichen Stereoplattenspielern, um jedoch in den Genuss der Quadrophonieversion zu kommen, benötigte man einen zusätzlichen Hardwaredecoder, der das in dem Stereosignal ‚versteckte‘ Quadrophoniesignal decodieren konnte. Heute sind solche Hardwaredecoder selten geworden und wenn überhaupt nur als teuere Sammlerstücke zu bekommen. Daher machte ich mich auf die Suche, ob es nicht andere Wege geben könnte, die ursprüngliche Quadrophonieaufnahme – wenn auch über Umwege – auf meiner modernen Surroundanlage wiederzugeben.

Um es vorweg zu nehmen, meine Suche war erfolgreich und daher möchte ich hier kurz beschreiben, wie ich vorgegangen bin.
Zunächst habe ich die Schallplatten im WAV-Format (16 bit/44.1 khz) auf meinen Computer übertragen. Da ich einen Mac nutze habe ich hierzu die Software VinylStudio genutzt, aber grundsätzlich sollte jede Aufnahmesoftware möglich sein.
Danach habe ich die WAV-Dateien mittels der Software SQdecode in vier einzelne WAV-Dateien umgewandelt. Je eine für jede Tonspur (Links vorne, Rechts vorne, Links hinten und Rechts hinten). Anmerkung: SQdecode ist eine Freeware für Windows, weshalb ich unter OSX die Wine-Software WinOnX zum Ausführen der EXE-Datei verwendet habe.

Im letzten Schritt habe ich nun einen dts-Encoder verwendet, um aus den vier Tonspuren eine dts-CD kompatible dts-Datei zu erzeugen. Der Vorteil dieses Formats ist, dass es sich als Audio-CD brennen lässt und von jedem CD-Player mit digitalem Anschluss über einen dts-fähigen Surroundreciever wiedergeben lässt. Natürlich sind hier auch andere Formate möglich, dies soll aber als Beispiel genügen.

Da dts-Encoder häufig sehr teuer sind, kann auch ein ac3-Format gewählt werden. Welches Format sich für jeden Einzelnen  und seine jeweilige technische Ausstattung am besten eignet, muss daher jeder selber herausbekommen. Aber dazu gibt es ja auch hinreichend Informationen im Netz.

Wer möchte, kann die ursprünglichen WAV-Dateien übrigens auch direkt am Computer wiedergeben und sich einen Eindruck über die darin enthaltenen Quadrofonie-Signale verschaffen. Mit dem Quadrophonic Matrix Decoder & Player lassen sich die Dateien prima abspielen und analysieren.

Wer sich jetzt die Frage stellt: Warum der ganze Aufwand? Es gibt doch schon lange die Deluxe-Remastered-Editions der Alben mit modernen 5.1-Abmischungen auf DVD. 

Nun, erstens gefallen mir die 5.1-Versionen nicht besonders. Ich finde sie sind zu analytisch ausgefallen und zerstören durch die teilweise extreme Positionierung einzelner Elemente eher den homogenen Gesamteindruck der Werke. Und zweitens wollte ich einfach wissen, ob es geht. Manchmal reicht das alleine schon als Grund.